Wenn Aggression zur Strategie wird
- 17. Juni
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Aggressives Verhalten beim Hund entsteht nicht immer einfach aus einem schlechten Charakter heraus. Oft steckt dahinter Überforderung, Unsicherheit oder die Erfahrung, dass der Hund in gewissen Situationen keinen anderen Ausweg mehr weiß. Besonders bei Hundebegegnungen an der Leine kann sich aggressives Verhalten festigen, wenn der Hund wiederholt erlebt, dass seine eigenen Grenzen nicht erkannt oder nicht ernst genommen werden.
Aggressives Verhalten kann insoweit erlernt sein, als dass der Hund keinen anderen Ausweg mehr in gewissen Situationen weiß, wie zum Beispiel an der Leine bei Hundebegegnungen. Oft wird den Hundehaltern erklärt, sie sollen ihren eigenen Hund ignorieren und ihm nicht helfen und sehr oft werden die Hunde bei Begegnungen zusammen gelassen, um sich „hallo“ sagen zu lassen. Einige Charaktere sind aber mit diesem „hallo“ sagen komplett überfordert, besonders wenn ihr Gegenüber sich nicht zu benehmen weiß.
Wenn der Hund durch diese sich wiederholende Überforderung nicht in die erlernte Hilflosigkeit rutscht, fällt ihm als Bewältigungsstrategie oft nichts anderes mehr ein, als aggressiv zu werden, um sich aus der Situation zu manövrieren. Denn Hilfe suchen beim Halter bleibt oft unbeantwortet, sei es, weil es ihnen so erklärt wurde, oder weil es unbeabsichtigt übersehen wird. So kann sich die selbst gesuchte Strategie des Hundes festigen und er wird bald darauf anfangen, sich aggressiv zu verhalten, um sich mit diesem Verhalten zu schützen, sobald andere Hunde auch nur in Sichtweite sind.
Eine etwas andere Art erlernter Aggression ist jene, die aus einem geringen Kontingent an Verhaltensweisen resultiert. Hunde mit Deprivationsschaden können oft nur angeborene Verhaltensweisen im sozialen Umgang zeigen. Dazu gehören submissives und aggressives Verhalten. Sie greifen oft zu Aggression, weil dies mehr Schutz und Abstand verspricht, da viele Hunde bei Begegnungen nicht wie erwünscht auf Unterwürfigkeit reagieren und dies den Hund in eine verletzliche Lage bringt.
Bei einem Deprivationsschaden wird das Gehirn des Hundes durch fehlende soziale- und Umweltreize nicht richtig entwickelt. Daher sind diese Hunde oft mit Aussenreizen überfordert und auch mit sozialer Interaktion. Oft geschieht dies bei sogenannten Vermehrern, sie ziehen die Welpen bekanntlich in Verschlägen oder Kellern auf, wo sie während der Aufzucht nichts kenennlernen.
Deshalb ist es so wichtig, aggressives Verhalten nicht nur als störendes Verhalten zu betrachten, sondern danach zu fragen, warum der Hund dieses Verhalten zeigt. Häufig braucht der Hund nicht mehr Druck, sondern mehr Orientierung, Schutz und einen Menschen, der seine Signale ernst nimmt. Wenn ein Hund lernt, dass sein Mensch ihn unterstützt und ihn nicht allein in überfordernden Situationen lässt, muss er nicht mehr selbst nach einer Strategie suchen, um sich zu schützen.
Wenn Hundebegegnungen für euch aktuell eine Herausforderung sind, musst du damit nicht allein bleiben. Gerne unterstütze ich dich und deinen Hund dabei, mehr Sicherheit zu entwickeln und Begegnungen wieder entspannter zu gestalten.


