Live-Online-Hundetraining: Vorurteile, Unsicherheiten und was wirklich dahintersteckt
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Ein Trainer muss meinen Hund doch einmal selbst erleben.
Dieser Gedanke ist sehr verständlich. Schließlich möchten Hundehalter:innen sicher sein, dass sich ein Trainer ein möglichst umfassendes Bild ihres Hundes macht.
Dabei werden jedoch häufig zwei Dinge miteinander vermischt: die Anamnese und die unmittelbare Beobachtung des Hundes.
Eine sorgfältige Anamnese besteht aus deutlich mehr als einem persönlichen Eindruck während eines einzelnen Termins. Entscheidend sind beispielsweise die Vorgeschichte des Hundes, die Entwicklung des betreffenden Verhaltens, typische Auslöser, der situative Kontext, Häufigkeit und Intensität des Verhaltens sowie die Frage, was unmittelbar davor und danach geschieht. Auch Alltag, Gesundheit und bisherige Erfahrungen können eine wichtige Rolle spielen.
Viele dieser Informationen können nur die Menschen liefern, die mit dem Hund zusammenleben unabhängig davon, ob das Gespräch vor Ort oder per Video stattfindet.
Selbstverständlich gehört für mich auch die Beobachtung des Hundes dazu. Diese muss jedoch nicht zwangsläufig bedeuten, dass ich körperlich neben ihm stehe. Im Live-Online-Training kann ich Verhalten unmittelbar über die Kamera beobachten. Zusätzlich können geeignete Videoaufnahmen aus dem Alltag helfen, Situationen zu beurteilen, die während eines einzelnen Termins möglicherweise überhaupt nicht auftreten würden.
Für mich steht dabei immer das Mensch-Hund-Team im Mittelpunkt. Entscheidend ist nicht, wie sich der Hund losgelöst von seinen Bezugspersonen gegenüber mir als Trainer verhält, sondern wie er mit seinem Menschen oder seiner Familie interagiert und wie beide Seiten miteinander umgehen.

„Den Hund selbst zu erleben“ bedeutet für mich deshalb auch nicht, ihn als Trainer zu übernehmen, mit ihm eine Runde spazieren zu gehen und daraus anschließend Rückschlüsse auf sein Verhalten im Alltag zu ziehen. In einer solchen Situation können sich die Bedingungen grundlegend verändern: Eine fremde Person führt den Hund, vertraute Abläufe fallen weg und manche Hunde reagieren gegenüber einem unbekannten Menschen deutlich anders – zurückhaltender, gehemmter, aufgeregter oder möglicherweise sogar ängstlich. Das Verhalten in dieser besonderen Situation muss daher nicht dem entsprechen, was die Bezugspersonen im Alltag erleben.
Für eine Verhaltensberatung ist für mich vielmehr relevant, wie sich der Hund in seinem tatsächlichen sozialen Umfeld verhält: Wie reagiert er auf seine Bezugsperson? Wie kommunizieren Mensch und Hund miteinander? Welche Reaktionen zeigen sich in schwierigen Situationen? Wie verhält sich der Mensch dabei und welche Auswirkungen hat sein Handeln auf den Hund?
Genau dieses Zusammenspiel möchte ich verstehen und begleiten. Denn das Ziel meines Trainings ist nicht, dass ein Hund mit mir als Trainer gut funktioniert, sondern dass Mensch und Hund ihren gemeinsamen Alltag langfristig selbstständig bewältigen können.
Und diese Beobachtung endet für mich nicht mit dem Erstgespräch oder einer einmaligen Einschätzung. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil jeder einzelnen Trainingsstunde.
Ich beobachte fortlaufend, wie der Hund mit den jeweiligen Aufgaben und Situationen umgeht, welche Verhaltensweisen er zeigt, wie sich diese im Verlauf des Trainings verändern und wie er mit seinem Menschen interagiert. Ebenso wichtig ist für mich die andere Seite des Teams: Wie setzt der Mensch die besprochenen Schritte um? Wo entstehen Unsicherheiten? Was gelingt bereits gut und an welchen Stellen braucht es noch Unterstützung oder eine Anpassung des Vorgehens?
Auf diese Weise entsteht nicht nur eine Momentaufnahme des Hundes, sondern über die Zeit ein immer differenzierteres Bild des gesamten Mensch-Hund-Teams. Gerade die intensive Beobachtung und Analyse der Entwicklung während des Trainings gehört für mich zu den wichtigsten Aufgaben einer guten Verhaltensberatung.
Auch ein Vor-Ort-Termin bietet zunächst nur eine Momentaufnahme. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wo eine erste Beobachtung stattfindet, sondern wie sorgfältig Verhalten über die weitere Entwicklung hinweg beobachtet, eingeordnet und das Training entsprechend angepasst wird.
Einschätzungen werden deshalb im Laufe des Trainings immer wieder überprüft und bei Bedarf angepasst. Verhalten ist schließlich nicht statisch und gute Beratung sollte es ebenfalls nicht sein.
Entscheidend ist daher nicht allein, ob Trainer und Hund sich im selben Raum befinden, sondern ob ausreichend relevante Informationen gesammelt, sorgfältig miteinander in Zusammenhang gebracht und im weiteren Trainingsverlauf kontinuierlich überprüft werden.
Aber eine Hundetrainerin muss doch vor Ort sein, um eingreifen zu können?
Dieser Gedanke liegt zunächst nahe. Wenn während des Trainings eine schwierige Situation entsteht, erscheint es vielleicht beruhigend, wenn eine Trainerin direkt danebensteht, den Hund übernehmen und gegebenenfalls selbst eingreifen kann.
Mein Trainingsansatz ist jedoch bewusst anders aufgebaut: Nicht ich soll lernen, mit deinem Hund umzugehen, sondern ihr als Mensch-Hund-Team sollt gemeinsam lernen.
Dafür gibt es auch lernpsychologische Gründe. Verhalten wird nicht vollkommen losgelöst von seiner Umgebung gelernt. Für einen Hund können neben der eigentlichen Situation viele weitere Faktoren Teil des Lernkontextes werden: der Ort, bestimmte Abläufe, die Körperhaltung und Bewegungen eines Menschen, Stimme, Gestik und Timing und auch die Person selbst.
Ein Verhalten, das unter bestimmten Bedingungen gelernt wurde, wird deshalb nicht zwangsläufig unter veränderten Bedingungen genauso gezeigt. Die Übertragung des Gelernten auf andere Situationen, Orte oder Personen bezeichnet man als Generalisierung. Untersuchungen mit Hunden zeigen tatsächlich, dass menschliche Interaktionspartner einen Unterschied machen können und Gelerntes nicht selbstverständlich unabhängig von der beteiligten Person übertragen wird.
Auch die Person am anderen Ende der Leine ist damit nicht einfach austauschbar. Hunde können auf vertraute und fremde Menschen unterschiedlich reagieren. Studien zeigen beispielsweise, dass die Vertrautheit mit einem Menschen die Reaktion auf dessen kommunikative Signale beeinflussen kann. Hunde nutzen außerdem in bestimmten Situationen die Reaktionen ihrer Bezugsperson, um mehr Informationen über eine zunächst uneindeutige Situation zu erhalten ein Phänomen, das als soziale Referenzierung bezeichnet wird.

Hinzu kommt die besondere Beziehung zwischen Hund und Bezugsperson. Untersuchungen zum sogenannten Secure-Base-Effekt zeigen, dass die Anwesenheit der Bezugsperson das Explorations- und Problemlöseverhalten eines Hundes beeinflussen kann und eine fremde Person diese Funktion nicht ohne Weiteres ersetzt. Das bedeutet nicht, dass jede Bezugsperson ihrem Hund in jeder Situation automatisch Sicherheit vermittelt. Es zeigt aber, dass die Beziehung zwischen Hund und Mensch selbst ein relevanter Bestandteil seines Verhaltens sein kann.
Wenn eine Trainerin den Hund übernimmt, verändert sich deshalb mehr als nur die Person, die gerade die Leine hält. Ein anderer Mensch bewegt sich anders, kommuniziert anders, reagiert mit einem anderen Timing und hat eine vollkommen andere gemeinsame Lerngeschichte mit dem Hund. Entsprechend kann sich auch der Hund unter diesen Bedingungen anders verhalten – möglicherweise ruhiger, gehemmter, aufgeregter oder unsicherer.
Dass eine erfahrene Trainerin eine bestimmte Situation mit dem Hund gut bewältigen kann, bedeutet deshalb noch nicht automatisch, dass Hund und Bezugsperson anschließend dieselbe Situation gemeinsam bewältigen können.
Und was ist mit Gewöhnung?
Auch hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Lernpsychologie. Wenn eine Reaktion auf einen wiederholt auftretenden Reiz mit der Zeit abnimmt, spricht man von Habituation, also Gewöhnung. Doch selbst Gewöhnung findet nicht zwangsläufig vollkommen unabhängig von ihrer Umgebung statt. Forschung zeigt, dass Habituation kontextspezifisch sein kann: Ändert sich der Kontext, kann eine zuvor deutlich reduzierte Reaktion wieder stärker auftreten.
Für Training bedeutet das nicht, dass ein Hund zwangsläufig „von seiner Trainerin abhängig“ wird, sobald diese häufiger anwesend ist. Eine solche Behauptung wäre viel zu pauschal.
Es bedeutet aber, dass wir immer mitdenken sollten, unter welchen Bedingungen Lernen stattfindet.
Wenn schwierige Situationen regelmäßig unter sehr ähnlichen Bedingungen und in Anwesenheit derselben Fachperson bewältigt werden, kann auch diese Konstellation Teil des vertrauten Lernkontextes werden. Dass ein Hund darin zunehmend sicherer reagiert, ist zunächst einmal positiv. Die entscheidende Frage lautet anschließend jedoch: Kann er das Gelernte auch unter den Bedingungen abrufen, unter denen er es im Alltag tatsächlich benötigt?

Gerade bei Hunden gibt es direkte Hinweise darauf, dass Kontextwechsel das Verhalten beeinflussen können. Selbst bereits gut gelernte Verhaltensweisen werden nicht zwangsläufig in einem veränderten Kontext unmittelbar genauso gezeigt.
Genau diese Übertragung möchte ich in meinem Training möglichst von Anfang an mitdenken.
Deshalb trainiert bei mir nicht zunächst die Trainerin mit dem Hund, damit der Mensch anschließend versucht, das Beobachtete zu kopieren. Das Lernen findet direkt zwischen denjenigen statt, die diese Fähigkeiten später gemeinsam im Alltag benötigen: Hund und Bezugsperson.
Denn auch der Mensch muss lernen
Hundetraining ist für mich deshalb niemals ausschließlich Lernen auf Seiten des Hundes.
Auch für den Menschen ist das eigene Handeln ein wichtiger Teil des Lernprozesses. Er muss lernen, Verhalten frühzeitig wahrzunehmen, Körpersprache einzuordnen, Situationen einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen, das eigene Timing zu verbessern und zu beobachten, welche Auswirkungen das eigene Handeln auf den Hund hat.
In der Psychologie wird in diesem Zusammenhang unter anderem das Konzept der Selbstwirksamkeit verwendet: die Überzeugung eines Menschen, Anforderungen durch eigenes Handeln bewältigen zu können. In der allgemeinen psychologischen Forschung gelten eigene erfolgreiche Bewältigungserfahrungen als eine besonders bedeutsame Quelle dafür, Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Das Beobachten anderer Menschen und deren Umgang mit einer Aufgabe kann ebenfalls zum Lernen beitragen es ersetzt jedoch nicht die Erfahrung, eine Herausforderung zunehmend selbst bewältigen zu können.
Dieses allgemeine psychologische Prinzip lässt sich auch auf die Gestaltung von Hundetraining übertragen: Natürlich können Erklärungen, das Beobachten einer Trainerin und konkrete Anleitungen hilfreich sein. Entscheidend ist jedoch auch, dass die Bezugsperson Gelegenheit bekommt, Situationen zunehmend selbst mit ihrem Hund zu bewältigen und dabei eigene Handlungssicherheit aufzubauen.
Denn im Alltag wird später ebenfalls nicht die Trainerin neben dem Mensch-Hund-Team stehen. Die Bezugsperson muss selbst erkennen können, was gerade passiert, welche Unterstützung ihr Hund benötigt und welche Handlungsmöglichkeiten sie in der jeweiligen Situation hat.
Genau deshalb möchte ich vermeiden, dass Sicherheit hauptsächlich daraus entsteht, dass eine Trainerin unmittelbar danebensteht und jederzeit übernehmen könnte. Meine Aufgabe besteht vielmehr darin, zunächst so viel Anleitung, Struktur und Rückmeldung zu geben, wie notwendig ist, und gleichzeitig Raum dafür zu schaffen, dass die Bezugsperson zunehmend eigene Sicherheit im Umgang mit ihrem Hund entwickelt.
Denn langfristig soll nicht die Erfahrung zurückbleiben:
„Wenn meine Trainerin dabei ist, funktioniert es.“
Sondern:
„Ich verstehe besser, was hier passiert. Ich kann meinen Hund besser einschätzen, weiß, was ich tun kann, und wir können diese Situation gemeinsam bewältigen.“
Genau hier wird Hundetraining für mich zum Training des Mensch-Hund-Teams
Während der Mensch neue Fähigkeiten entwickelt, sammelt auch der Hund Erfahrungen mit seiner Bezugsperson.
Er erlebt, wie sein Mensch auf seine Kommunikation reagiert, welche Handlungen auf bestimmte Situationen folgen und welche gemeinsamen Strategien sich bewähren. Gleichzeitig lernt der Mensch seinen Hund immer genauer kennen: Welche Signale zeigt er frühzeitig? Wann braucht er Unterstützung? Was hilft ihm tatsächlich? Und wann ist eine Situation noch zu schwierig?
So entwickelt sich nicht nur ein einzelnes gewünschtes Verhalten weiter. Auch das Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund verändert sich.
Genau dieses Zusammenspiel möchte ich beobachten, analysieren und begleiten.
Deshalb bedeutet „den Hund als Trainerin selbst erleben“ für mich auch nicht zwangsläufig, ihn zu übernehmen, allein mit ihm spazieren zu gehen und das dort gezeigte Verhalten anschließend zum Maßstab für seine Bezugsperson zu machen.
Natürlich kann auch eine solche Beobachtung zusätzliche Informationen liefern. Sie zeigt jedoch zunächst einmal, wie der Hund mit dieser Person und unter diesen Bedingungen reagiert. Sie beantwortet nicht automatisch die Frage, wie sich dieselbe Situation zwischen Hund und Bezugsperson im Alltag darstellt.
Und auch für den Menschen kann dadurch schnell ein wenig hilfreicher Vergleich entstehen. Eine erfahrene Trainerin beschäftigt sich beruflich mit Körpersprache, Verhalten, Timing und Trainingsaufbau. Wenn sie mit einem Hund eine Situation scheinbar mühelos bewältigt, sagt das wenig darüber aus, was die Bezugsperson bereits leistet oder welche Fähigkeiten sie noch entwickeln muss.
Genauso wenig wäre es fair, das Verhalten des Hundes gegenüber einer fremden Fachperson unmittelbar mit seinem Verhalten gegenüber seinen vertrauten Menschen gleichzusetzen. Untersuchungen zeigen gerade, dass Hunde zwischen vertrauten und fremden Personen unterscheiden können und diese Unterschiede je nach Situation auch im Verhalten sichtbar werden.
Mein Ziel ist deshalb nicht, dass dein Hund mit mir als Trainerin gut funktioniert. Mein Ziel ist, dass ihr euren gemeinsamen Alltag zunehmend selbstständig bewältigen könnt.
Und welche Rolle habe ich dann als Trainerin?
Genau hier setzt meine Arbeit im Live-Online-Training an.
Ich beobachte, wie dein Hund auf dich und auf die jeweilige Situation reagiert, wie ihr miteinander kommuniziert und an welchen Stellen Schwierigkeiten entstehen. Gleichzeitig achte ich darauf, wie du mit der Situation zurechtkommst, was bereits funktioniert und wo du noch Unterstützung benötigst.
Ich kann erklären, anleiten, unmittelbar Rückmeldung geben und einzelne Trainingsschritte an das anpassen, was ich bei euch beobachte. Ist eine Aufgabe zu schwierig oder zeigt dein Hund, dass eine Situation ihn gerade überfordert, verändern wir die Bedingungen und wählen einen anderen Trainingsschritt.
Denn gutes Training bedeutet für mich nicht, einen Hund bewusst so weit in eine schwierige Situation zu bringen, bis irgendwann jemand eingreifen muss.
Gerade bei Angst, Unsicherheit oder aggressivem Verhalten ist es häufig sinnvoller, Trainingssituationen so zu gestalten, dass der Hund noch lernen und sein Mensch noch angemessen handeln kann. Schwierige Alltagssituationen können vorbereitet, unter leichteren Bedingungen trainiert und anschließend schrittweise in den Alltag übertragen werden. Videoaufnahmen können zusätzlich helfen, Situationen gemeinsam zu analysieren, während Beobachtung, Analyse und Erklärung ohnehin fortlaufend Bestandteil des gesamten Trainings sind.

Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Trainerin grundsätzlich niemals einen Hund übernehmen sollte oder Unterstützung vor Ort keinen Wert hätte.
Die entscheidende Frage ist für mich also nicht, ob ich im richtigen Moment selbst die Leine übernehmen kann. Entscheidend ist, ob ich euch dabei unterstützen kann, die Situation zu verstehen, geeignete Strategien zu entwickeln und sie langfristig gemeinsam zu bewältigen.
Und genau dafür muss ich nicht diejenige sein, die die Leine hält.
Kann man schwierige Alltagssituationen online überhaupt realistisch trainieren?
Live-Online-Training bedeutet für mich nicht, schwierigen Situationen grundsätzlich aus dem Weg zu gehen oder ausschließlich in einem geschützten Raum zu trainieren.
Je nach Hund, Problemstellung und Trainingsstand kann es zunächst sinnvoll sein, bestimmte Fähigkeiten vorzubereiten und Situationen kontrollierter aufzubauen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann aber ebenso wichtig sein, sich den tatsächlichen Auslösern gezielt zu stellen und neue Erfahrungen mit ihnen zu machen.

Einen interessanten Hintergrund liefert hier auch die Expositionsforschung aus der Humanpsychologie.
Warum überhaupt Erkenntnisse aus der Humanpsychologie?
Die Übertragung solcher Erkenntnisse bedeutet natürlich nicht, dass Hunde und Menschen psychologisch identisch sind. Viele grundlegende Lernprozesse sind jedoch nicht ausschließlich menschlich. Klassische Konditionierung, Extinktionslernen, Generalisierung und Habituation sind grundlegende Lernmechanismen, die bei verschiedenen Tierarten untersucht werden und auch beim Menschen eine wichtige Rolle spielen. Tatsächlich stützt sich auch ein Teil der wissenschaftlichen Grundlagen moderner Expositionstherapie auf Erkenntnisse aus der tierexperimentellen Forschung zu Angstlernen und Extinktion.
Auch neurobiologisch gibt es zwischen Säugetieren gemeinsame beziehungsweise homologe Systeme, die an emotionalem Lernen beteiligt sind. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen bei Hunden ausgeprägte sozial-kognitive Fähigkeiten im Umgang mit Menschen sowie teilweise vergleichbare neuronale Grundlagen bei der Verarbeitung sozialer Informationen. Das macht Hunde zu einer interessanten Vergleichsspezies bedeutet aber nicht, dass menschliche Psychologie einfach eins zu eins auf Hunde übertragen werden kann.
Genau deshalb nutze ich Erkenntnisse aus der Humanpsychologie als theoretischen und lernpsychologischen Rahmen, nicht als starres Therapieprotokoll für Hunde. Entscheidend bleibt immer, was sich beim jeweiligen Hund beobachten lässt und was für dieses Mensch-Hund-Team sinnvoll ist.
Die direkte Forschung zu modernen expositionsbasierten Ansätzen wie dem inhibitorischen Lernen speziell bei Haushunden ist bislang deutlich begrenzter als beim Menschen. Ganz ohne hundespezifische Forschung sind wir allerdings nicht: Expositionsverfahren werden bereits seit Langem auch im veterinärmedizinischen Verhaltenstraining diskutiert, und zu verwandten Verfahren wie Desensibilisierung und Gegenkonditionierung gibt es ebenfalls Forschung an Hunden.
Moderne Modelle erklären den Erfolg von Exposition nicht allein dadurch, dass Angst während einer Übung immer weiter abnimmt. Beim sogenannten inhibitorischen Lernen geht es vielmehr darum, neue Erfahrungen aufzubauen, die mit bereits bestehenden Erwartungen konkurrieren können.
Dabei spielt auch Generalisierung eine wichtige Rolle. Lernen soll schließlich nicht nur unter einer einzigen, perfekt vorbereiteten Trainingsbedingung funktionieren, sondern später auch in unterschiedlichen Alltagssituationen abrufbar sein. In der Expositionsforschung werden deshalb unter anderem Variation und das Üben in unterschiedlichen Kontexten als Möglichkeiten diskutiert, die Übertragung des Gelernten zu unterstützen.
Genau deshalb kann sich mein Training im Verlauf verändern. Zu Beginn geht es vielleicht darum, dass du deinen Hund besser einschätzen lernst, Handlungsmöglichkeiten entwickelst und wir notwendige Grundlagen schaffen. Mit zunehmendem Trainingsstand können wir uns dann auch gezielt schwierigeren Situationen nähern.

Entscheidend ist dabei nicht, eine möglichst starke Reaktion hervorzurufen. Die Situation soll einen sinnvollen Lernprozess ermöglichen. Welche Intensität dafür geeignet ist, hängt vom jeweiligen Hund, seinem bisherigen Trainingsstand, der konkreten Problemstellung und natürlich auch von Sicherheitsaspekten ab.
Und genau hier bietet Live-Online-Training eine interessante Möglichkeit: Das Training kann dort stattfinden, wo euer Alltag tatsächlich stattfindet. Je nach Situation können wir beispielsweise draußen arbeiten oder reale Situationen im Anschluss anhand von Videoaufnahmen analysieren. Der Trainingskontext muss also keineswegs dauerhaft das Wohnzimmer vor dem Laptop bleiben.
Ziel ist auch hier nicht, eine bestimmte Übung unter künstlichen Bedingungen perfekt auszuführen. Ziel ist, dass das Gelernte zunehmend in eurem tatsächlichen Alltag verfügbar wird.
Du bist dir noch unsicher, ob Live-Online-Training zu dir und deinem Hund passt?
Auf meiner Seite Live-Online-Training erklärt findest du weitere Informationen dazu, wie die Zusammenarbeit abläuft und welche Möglichkeiten das Training bietet.
Wenn du deine individuelle Situation lieber persönlich besprechen möchtest, kannst du dich auch gerne über Kontakt bei mir melden und ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch vereinbaren. Gemeinsam schauen wir, ob mein Training für euch passend ist.



